 |
 |
Projekt
Ziele
Der Bund Naturschutz in Bayern
e.V. verfolgt das Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen,
Tieren und Pflanzen vor weiterer Zerstörung zu bewahren und wiederherzustellen.
Er setzt dabei auf intensive Öffentlichkeitsarbeit und versucht unter
anderem durch Projekttage bei Vereinen, Gruppierungen und an Schulen das
Wissen über Natur und natürliche Zusammenhänge zu erweitern.
Die
Erfahrung zeigt, daß theoretischer Unterricht nicht ausreicht, um
Verständnis für ökologische Probleme zu erhalten. Vielmehr
ist gefühlsmäßige Bindung zu Pflanze und Tier und praktisches
Nachvollziehen von Natur- und Umweltvorgängen unerläßlich
für eine Vertiefung des Wissens, für Bewußtseinsbildung
und für nachhaltiges, zukunftsfähiges Handeln.
Aus diesen Erfahrungen entstand im Jahr 2002 in der Kreisgruppe Regensburg,
Ortsgruppe Mintraching das Projekt NATURMOBIL. Mit der mobilen Umweltstation
soll Schulen, Vereinen, Firmen und anderen Gruppierungen im Einzugsbereich
von Regensburg die Möglichkeit zur Vermittlung von Wissen und zur
praktischen Erfahrung der heimischen Natur vor Ort geboten werden.
Ein erfahrener Biologe leitet die Einsätze des NATURMOBIL. Er unterstützt
die Schulen und andere Gruppierungen bei der praktischen Naturerziehung
und gewährleistet die fachkundige Betreuung der Teilnehmer. Bei den
Veranstaltungen liegt der Schwerpunkt auf dem direkten Naturerlebnis draußen.
Förderung
Das Projekt NATURMOBIL wird zwei Jahre lang durch das Bayerische Staatsministerium
für Landesentwicklung und Umweltfragen aus Mitteln des allgemeinen
Umweltfonds gefördert.
Umweltmobile
Die mobile Umweltbildung wurde
mit dem Projekt NATURMOBIL nicht neu erfunden, sondern ist seit etwa 1980
bundesweit etabliert. 1987 schlug in Tübingen die Geburtsstunde des
ersten „Ökomobils“. Baden-Württemberg, das Vorreiterland
auf diesem Gebiet, schuf für jedes der vier Regierungsbezirke ein
"Ökomobil" mit betreuendem Personal. Mehrere Projekte folgten
auch in anderen Bundesländern. Seit 1994 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft
Umweltmobile (AGUM).
In Bayern gab es bisher noch keine vergleichbare Einrichtung wie die staatlichen
Umweltmobile anderer Bundesländer. Abgesehen von kleineren Projekten
ist das NATURMOBIL das erste "fahrbare Klassenzimmer" mit umfangreicher
Laborausstattung und einer größeren Anzahl von Arbeitsplätzen.
Leitlinien für
die Umweltbildung
(Auszug aus
dem Handbuch "Umweltmobile". Herausgeber: Sächsische Landesstiftung
Natur und Umwelt sowie die Natur- und Umweltschutz- Akademie NRW (NUA)
- Umweltbildung sollte
fundiertes Wissen vermitteln.
Zum Durchschauen von Abläufen und Zusammenhängen in Natur
und Umwelt, zum Einschätzen der Wirkung des eigenen Handelns und
als Voraussetzung für aktives Mittun ist fundiertes Wissen nötig.
- Umweltbildung sollte
die „Begegnung mit den Phänomenen“ ermöglichen.
Zur Wissensvermittlung muss die unmittelbare Anschauung und die persönliche
Erfahrung treten, also der Besuch der Wiese, das Aufsuchen des Baches,
die Begegnung mit dem Wald. Nur so kann eine emotionale Beziehung „zu
den Dingen dieser Welt“ entstehen, die wiederum eine wesentliche
Voraussetzung zum Engagement ist. In Studien konnte der Zusammenhang
zwischen Naturerfahrung und „Umwelthandeln“ bei Jugendlichen
deutlich belegt werden.
- Umweltbildung sollte
ohne zeitlichen Druck erfolgen.
Wir sind dabei, die Abläufe in unserem Leben und in der Gesellschaft
auf erschreckende Weise und in einem bisher nie gekannten Maß
zu beschleunigen. Selbstbestimmung, Verantwortung, Wertfindung und Wertschätzung
setzen aber Verzögerung, Pausen, Innehalten, Handlungsaufschub
voraus. Beschleunigung lässt alles gleichgültig werden,
denn je mehr schnell aufeinanderfolgt, umso weniger lässt dieses
Geschehen Wertschätzung zu. Denn diese braucht Abstand, Befund
und die Ruhe zu urteilen. Dies gilt ganz besonders für Begegnungen
und Beobachtungen mit und in der Natur, in der alles seine Zeit hat.
- Umweltbildung sollte
den Lebens- und Erfahrungsbereich des Einzelnen einbeziehen.
Ausgehend davon, dass Menschen zu Dingen und Situationen aus dem eigenen
Lebens- und Erfahrungsbereich eine besonders innige Beziehung haben,
sollten Sachverhalte, die für ihr Alltagsleben bedeutsam sind,
möglichst oft in den Vordergrund der Bildungsarbeit gerückt
werden („die Menschen da abholen, wo sie stehen“).
- Umweltbildung sollte
die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit bieten.
Je aktiver sich Menschen mit einer Thematik auseinandersetzen, desto
mehr sind sie zu lernen in der Lage. Außerdem erlangen sie durch
eigenes Mitarbeiten Handlungskompetenz („learning by doing“).
- Umweltbildung sollte
positive Beispiele aufgreifen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.
Umweltbildung darf keine „Katastrophenpädagogik“ sein,
da dies Menschen hilflos macht und resignativen Haltungen sowie Verdrängung
Vorschub leistet. Mit positiven Beispielen und Lösungsmöglichkeiten
dagegen wird Ermutigung gegeben, die die Bereitschaft zum Handeln unterstützt.
- Umweltbildung sollte
sich mit gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzen.
Zahlreiche Umweltprobleme beruhen auf gegensätzlichen Interessen
verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Dies darf bei der Arbeit nicht
ausgeklammert, aber auch nicht zu einer „Ideologisierung“
von Menschen genutzt werden. Viel mehr muss das Individuum ermutigt
werden, sich aktiv mit solchen Konflikten auseinanderzusetzen
und an ihrer Lösung mitzuwirken.
- Umweltbildung sollte
sich mit Normen und Werten auseinandersetzen.
Umweltbildung hat normativen Charakter: Sie ist nicht wertfrei, sondern
sucht nach Wegen für den größtmöglichen Schutz
der Umwelt, wofür Normen und Werte zwingend notwendig sind. Bestehende
Normen und Werte immer wieder aufzugreifen, zu überprüfen
und an ihrem Wandel mitzuwirken, ist ein zentrales Anliegen dieser Bildungsarbeit.
- Umweltbildung sollte
interdisziplinär ausgerichtet sein.
Natur und Umwelt, sowie Probleme ihrer Beeinträchtigung zu durchschauen
und Wege aus dem Dilemma zu suchen und zu finden ist nur durch interdisziplinäres
Arbeiten möglich. Dies setzt große Offenheit und die Bereitschaft
zu vielfältiger Kooperation bei den Menschen voraus, die Umweltbildung
betreiben.
- Umweltbildung sollte
Visionen ermöglichen.
Umweltbildung sollte alle Türen für neue Gedanken und Wege
– eben für Visionen – weit öffnen, um keine Möglichkeit
ungenutzt zu lassen. Was heute vielfach schon Realität ist (z.B.
die Revitalisierung von Fließgewässern), wurde vor 25 Jahren
noch als Utopie abgetan. Realität ist eben immer das, was entschlossene
Menschen daraus machen!
- Umweltbildung sollte
sich über kleine Erfolge freuen.
Diese Leitlinie ist auch nach innen – ins eigene Lager –
gerichtet: Umweltbildner brauchen zur erfolgreichen Arbeit Optimismus,
der nach innen und nach außen strahlt. Wer stets auf Misserfolge
schaut, wird schnell ermüden. Wer dagegen auch kleine Erfolge immer
wieder zu sehen in der Lage ist, wirkt mit Zuversicht.
Zu diesen elf Leitlinien, die auch bei der mobilen Umweltbildung Berücksichtigung
finden sollten und – wie die vielfältige Praxis der Umweltmobile
zeigt – durchaus in ihrer Arbeit erkennbar ist, kommt noch hinzu,
dass Umweltbildung lebenslanges Lernen ermöglichen, also alle Entwicklungs-
und Lebensphasen des Menschen begleiten und in alle Gesellschafts- und
Lebensbereiche integriert sein sollte. Auf dem Weg dahin gibt es noch
sehr viel zu tun. Die mobile Umweltbildung verfügt dabei über
zwei besondere Vorteile: sie kann – eben weil sie mobil ist –
sich erstens aktiv auf die Menschen zubewegen und zweitens Orte ansteuern,
die zum Erleben und Lernen besonders geeignet sind.
Mehr Wildnis
zulassen
Darüber hinaus sollten sich alle, die im Bereich der Umweltbildung
tätig sind, dafür stark machen, dass sich als Gegengewicht
zur alles durchdringenden Zivilisation wieder mehr Flächen (auch
kleine!) in unserem Land zu Wildnisgebieten entwickeln können,
zu Flächen also, auf denen jegliche Eingriffe unterlassen werden.
Dafür gibt es viele gute Gründe, von denen hier nur einer
aufgeführt werden soll: wilde, unverplante, von uns Erwachsenen
nicht durch Ordnungsmaßnahmen reglementierte Areale, die wohngebietsnah
liegen und immer wieder von Kindern aufgesucht werden können, fördern
eine gesunde körperlich- geistig- seelische Entwicklung der jungen
Erdenbürger und machen so Natur als wertvolles Gut für Menschen
erfahrbar. Für die mobile Umweltbildung wäre es problemlos
möglich, solche Flächen in ihre Arbeit einzubeziehen.
|